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    Elternzeit und Elterngeld – grandios, aber auch verbesserungsfähig

    Auf sozialen Medien gab es einige Fragen nach meinem Feedback zur Elternzeit – politisch, praktisch und persönlich. Ich halte Elternzeit und Elterngeld für eine grandiose Errungenschaft, aber auch Dinge, die gut sind, kann man weiter verbessern: Mehr Flexibilität, bessere Anrechnungsoptionen und Erleichterung für alle Berufsgruppen wären hier einige meiner Punkte. Persönlich kann ich es nur jedem empfehlen, das Instrument zu nutzen und dem Kind beim größer werden zuzuschauen und zu helfen. Ich genieße das sehr mit meiner Tochter.

    Video-Blog aus der Rubrik #LasseReden bei Youtube zur Elternzeit.

    Politische Anregungen

    Dadurch, dass ich für einen internationalen Konzern tätig bin, kann ich viele Länder beurteilen, auch so Extremfälle, wie die USA, in denen man als Mutter schon nach 6 Wochen zurück muss. Deshalb bin ich überzeugt: Die Elternzeit und das Elterngeld in Deutschland sind ein hervorragendes Modell. Aber auch tolle Dinge kann man weiter verbessern, dazu gehören für mich:

    • Die Schaffung einer Möglichkeit für die Gruppen, die bisher noch keine Elternzeit nehmen dürfen – von Abgeordneten bis zu Geschäftsführerinnen und Vorständen. Die Initiative „Stay onboard“ sollte da nur der Anfang gewesen sein und vielleicht auch etwas inklusiver werden.
    • Digitale Strukturen bei der Bearbeitung der Elternzeit wären hilfreicher – nach der Erstbeantragung kann man zwar mit den äußerst hilfreichen (aber wechselnden) Sachbearbeitern E-Mails schreiben, aber das Mittel der Wahl scheint immer noch der Brief dort zu sein.
    • Anrechenbarkeit und Zuverdienstmöglichkeiten –für diejenigen, die nicht den Kindergeld-Höchstsatz erhalten – sollte verbessert werden. Momentan sehe ich sonst, dass das Kindergeld gerade für Alleinerziehende eine schwere Hürde dabei hat.
    • Ähnlich schwierig sind wohl die harten Anforderungen für Selbstständige, so dass man auch dort auf mehr Flexibilität setzen sollte.
    • Generell sollte die Flexibilität und der Rahmen für Elterngeld und Elternzeit verbessert werden. Dass man theoretisch selbst bei der kleinsten Frage nicht angerufen werden darf und deshalb z.B. bei Großkonzernen die IT-Infrastruktur oder das Diensthandy abgeschaltet werden muss, ist mittelmäßig absurd. Klar ist: Das Kind und die Elternzeit ist die Haupttätigkeit, aber eine Toleranz für 30 min. Rückfragen die Woche erscheint mir nicht zu viel verlangt. Ein anderes Beispiel: Das kluge Zeitmodell eines (Partei-)Freundes, bei dem seine Frau und er je zwei bzw. drei Tage die Woche reduzieren, aber durcharbeiten, lässt sich nur schwer über Elternzeit/Elterngeld abbilden.
    • Leicht absurd ist der Urlaubsanspruch, den man trotz Elternzeit aufbaut, während alle anderen Punkte hier ja arbeitnehmerfreundlich sind, würde ich da doch etwas zurückschrauben.

    Habt Ihr hier noch weitere politische Anregungen? Einfach kommentieren.

    Praktische Hinweise

    In der Praxis haben wir einfach mit Flexibilität Lösungen gesucht, die für uns, aber auch unsere Arbeitgeber gepasst haben. Dabei war auch Kreativität gefragt: Unser Modell ist – auch dank des Luxus sehr ähnlicher Einkommen – mit 7 Monaten für meine Frau und 7 Monaten für mich gleich aufgeteilt. Aber wir sind eben nicht auf feste Blöcke gegangen, sondern auf ein Modell: 4 Monate Nathalie, 4 Monate ich, 3 Monate Nathalie, 3 Monate ich. Das kam uns beiden privat wie beruflich entgegen. Deshalb starten meine praktischen Hinweise mit:

    • Mach Elternzeit, wenn es irgendwie möglich ist, und denkt darüber nach, was für Euch das passende Modell ist. Es gibt Familien, für die passt ein 12:2 Modell einfach besser und vielleicht wird es bei uns in Zukunft auch ein anderes Modell werden. Aber da flexibel zu denken hilft – und nach meiner Erfahrung auch eine offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber, um gemeinsame Lösungen zu finden (und klare Übergaben für Projekte).
    • Generell trifft man die privaten Entscheidungen so, wie man es selbst will, und sollte sich weniger von dem, was andere denken könnten beeinflussen lassen. Ich übernehme in der Elternzeit regelmäßig Dinge, bei denen andere überrascht sind, dass ich es mache und nicht meine Frau und das passt für uns beide so, kann aber für jemand anderen nicht passen.
    • Eine Anregung, die bei uns aus einem Zufall entstanden ist, habe ich dann doch noch: Überlegt Euch als Mann, wenn Ihr Elternzeit macht, gerade am Anfang keine Überlappung mit der Frau zu haben. Mir zumindest hat es extrem gut getan, dass ich, weil meine Frau Vollzeit wieder gearbeitet hat, alles machen musste. Das hat nach meiner Wahrnehmung auch dazu geführt, dass meine Tochter sich viel schneller an mich als Hauptbetreuungsperson gewöhnt hat (und ich schneller merke, bevor sie quengelt, wann ich die abgepumpte Milch aufwärmen sollte).
    • Falls möglich, genießt aber auch ein Intervall zusammen, es lohnt sich einfach als Quality Time zu dritt (oder später zu viert).

    Hättet Ihr da noch persönliche Anregungen, die Euch fehlen?

    Persönliche Tipps

    Die Akzeptanz steht und fällt natürlich mit dem Arbeitgeber, deshalb bin ich meinem Arbeitgeber sehr dankbar für die Flexibilität – auch wenn ich, um die Möglichkeit zu haben (aber nur wegen der deutschen Gesetzeslage), einen Karriereschritt absagen musste. Wichtig ist dabei für mich:

    • Geht Euren Weg – wie immer in der Kindererziehung ist das mit dem Rat von außen so eine Sache.
    • Ignoriert Idioten und Kinderfeinde. Ich habe in den ersten zwei Monaten meiner Elternzeit einmal monatlich per Zufall irgendeine Pöbelattacke oder Gelächter erlebt. Wir sollten nur dringend an der Kinderfreundlichkeit unserer Gesellschaft arbeiten.
    • Hinterfragt auch mal, was für Euch persönlich daheim die richtige Aufteilung ist, das ist sehr privat und geht weder mich noch irgendjemand anderen etwas an, aber ich habe von einer Bekannten mal gehört, dass relativ schnell nach der Geburt die Haushaltsarbeit wieder voll bei ihr lag (auch wenn sie das nicht zwingend so gewollt hätte), da sollte man drüber sprechen als Paar.
    • Genießt die Zeit mit der Familie.

    Habt Ihr noch Tipps für uns, was man noch berücksichtigen sollte? Wir sind ja noch Anfänger.

    Wir haben schon einen Kita-Platz für später, aber trotzdem sind natürlich Anregungen und Ideen immer willkommen.

  • Buchstapel 2021

    Leseliste Sommer 2021

    Meine Leseliste für den Urlaub in 2021, falls jemand Anregungen sucht:

    Papier:

    • Weir: Project Hail Mary
    • Pausder: Das neue Land
    • Obama: A promised land
    • Vollmer: Der Führerfluch
    • Criado-Perez: Unsichtbare Frauen
    • Eilenberger: Feuer der Freiheit

    Digital:

    • Kimmerer: Geflochtenes Süssgras
    • Waltari: Sinuhe der Ägypter
    • Collins: Die Tribute von Panem X
    • Patterson/Clinton: Die Tochter des Präsidenten
    • Leckie: Die Maschinen

    Hörbuch:

    • Morris: Proxima Rising
    • Morris: Proxima Dying
    • Morris: Proxima Dreaming
    • Clark: Childhood’s End
  • Viele gute Ideen zu #Covid19 und die Lösungsorientierung bleibt auch bei der Pandemie zentral

    Letzte Woche habe ich, weil mir die Diskussion in der liberalen Bubble etwas kurz griff, auf Facebook einfach mal gefragt, was neue kreative Vorschläge für den Umgang mit der Pandemie sein könnten. Selbst in den raum gestellt, hatte ich Gamification bei einem Ausbau der App, eine generelle Maskenpflicht außerhalb der eigenen Wohnung und eine Studie zur Klärung der Ansteckung der 75% laut RKI momentan nicht rückverfolgbaren Ansteckungen.

    Binnen 24 Stunden hatte der entsprechende Facebook-Post rund 240 Kommentare – die allermeisten davon sehr konstruktiv – und auf Twitter und Instagram gab es auch vereinzelte Antworten.

    Sonntagmorgen habe ich mich dann mal hingesetzt und die Kommentare ausgewertet, händisch geclustert und gewichtet (anhand der Like-Zahlen in den sozialen Medien).

    Herausgekommen sind die folgenden drei Zusammenfassungen:

    Abb. 1 – Themencluster und ihre Gewichtung
    Abb. 2 – Einzelvorschläge und ihre Gewichtung
    Abb. 3 – Detailauswertung der Einzelvorschläge

    Ich finde das sehr interessant, ist natürlich nicht repräsentativ, da nur meine – eher liberal geprägte –Bubble, aber trotzdem sind aus meiner Sicht viele Ideen dabei, die lohnenswert wären darüber nachzudenken.

    Danke an alle Teilnehmer, sollte jemand noch die Excel-Datei mit den Rohdaten wollen, kann ich diese auch gerne zur Verfügung stellen.

    Hier mein Lasse Reden-Video mit einer kurzen Zusammenfassung meiner Gedanken:

    Und übrigens die Rede von René Rock im hessischen Landtag macht aus meiner Sicht auch deutlich, warum parlamentarische Kritik nötig ist: Wenn die Landesregierung mehrere Millionen für Fahrradstellplätze aus Corona-Mitteln finanziert, nicht aber eine Medikamentenforschung unterstützt, ist das ein riesiger Fehler, den man auch benennen muss.

  • Rassismus ist kein Patriotismus

    Lasse Reden: Warum das Höcke-Buch gefährlich ist

    Ich habe mir das Buch von Björn Höcke angetan, um das ganze aus freiheitsliebender Sicht zu bewerten. Es ist furchtbar geschrieben, so viel vorab.

    Hier aber jetzt meine Rezension zu „Nie zweimal in denselben Fluss“ von Björn Höcke. Der Typ will leider wieder in den selben Fluss und ist brandgefährlich – damit Ihr es nicht auch lesen müsst, hier die Rezension:

  • Geld in der Waschmaschine - Symbolbild

    Lasse Reden: Warum Philipp Amthor Politik schadet?

    Wie in der Umfrage gewünscht, hier ein kurzes Video zur Korruptionsaffäre von Philipp Amthor und warum er Politik schadet – gerade den vielen Ehrenamtlern, aber auch den nicht korrupten Hauptamtlern.

  • Mikroskop - Symbolbild

    Lasse Reden: Warum funktioniert Wissenschaft anders als Politik?

    Auch Politiker sollten das begreifen können. Meine Meinung zur Wissenschaftskritik und intellektuellen Tieffliegerei aus Grünen, CDU, CSU und FDP.

  • Vestager beim ALDE-Congress Athen

    Was der #ALDECongress eigentlich so macht.

    Als eines der wenigen Ehrenämter, die ich in der Politik noch habe, vertrete ich die FDP im Rat der Europäischen Liberalen (ALDE-Council) und im ALDE-Congress.

    Was wir da so machen – dieses Wochenende war von Donnerstag bis Samstag #ALDECongress in Athen – habe ich in einem Video mit unserer Europaabgeordneten Svenja Hahn, die auch President von LYMEC, der europäischen liberalen Jugendorganisation ist, diskutiert.

  • Warum Formalqualifikationen wenig wichtig sind und was für Herausforderungen ich für die Arbeit von Stiftungen sehe.

    Bildung, Chancen, Aufstieg und Stipendien: Warum Formalqualifikationen wenig wichtig sind und leider häufig Chancen verhindern und was für Herausforderungen ich für die Arbeit von Stiftungen sehe, wenn nur 27% der Stipendiaten Erstakademiker sind (bei 47% Erstakademikerquote unter allen Studierenden). Darum geht es im aktuellen Video. Dabei stammen die Zahlen aus einem Artikel der Süddeutschen (https://www.sueddeutsche.de/bildung/stipendien-begabtenfoerderung-kritik-1.4518691), den ich bloß außer vom Zahlenmaterial nicht sonderlich stark finde.

    Ich finde, dass die Stiftungen einen besseren Betreuungsschlüssel brauchen. Aber generell müssen Formalqualifikationen weniger wichtig werden. Leute ohne Studium können erhebliche Beiträge leisten und wir sollten mit der Durchlässigkeit, echtes lebenslanges Lernen und Akzeptanz alternativer Bildungsabschlüsse mehr zu echter Chancengerechtigkeit beitragen und den akademischen Standesdünkel wegpacken. Formaler Rahmen ist weniger wichtig, als gute Inhalte.

  • Es wird mehr CO2 in Deutschland für Streaming verbraucht als für Inlandsflüge - grob überschlagen

    Warum Pornos (und Netflix) ein echtes Problem für den Klimaschutz sind.

    Es ging schneller als gedacht. Hier das nächste Video bei „Lasse Reden“ über interessante Zahlen zum Klimaschutz. Die Quellen dazu sind:

    https://www.deutschlandfunk.de/streaming-youtube-apps-wie-die-digitalisierung-dem-klima.724.de.html?dram%3Aarticle_id=453448&fbclid=IwAR0FEYa2iptu-FRC0kdaq5Ztnx4oq1f4e959ujFP_6uAa8EayS_ZAh-ut-g

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/flugscham-wie-klimaschaedlich-sind-inlandsfluege-wirklich-a-1279035.html

    Und der Rest ist dann Dreisatz – ok, die Verallgemeinerung, dass Deutschland grob beim Internetkonsum wie der Rest der Welt tickt, ist auch noch dabei.


  • Lasse reden: Warum es wichtig ist, wieder persönlich miteinander zu reden.

    Ich finde, uns geht die Fähigkeit miteinander zu reden und unterschiedliche Meinungen zu haben, verloren. Darüber habe ich heute ein bisschen laut nachgedacht. Das hat für mich auch etwas mit der Missverständlichkeit der Schriftform und dem nur sehr oberflächlichen Kennen des Gegenübers auf sozialen Medien zu tun.