• Bild von der Party

    Der Tag, an dem ich durch Wasser-Trinken zum Säufer wurde

    Juni. 2009. Europawahl. Viel zu wenige interessieren sich. Leider auch bei den JuLis Hessen. Deshalb wollte ich als Landesvorsitzender mit 36-Stunden durchgehenden Wahlkampf ohne Unterbrechung Aufmerksamkeit erzeugen. Bis dahin hatte das schon ein paar Mal mit 24-Stunden-Aktionen bei Landtagswahlkämpfen geklappt. Aber 36 Stunden am Stück wach und Wahlkampf war was Neues. Mittendrin war ein Besuch bei einer Party der JuLis Marburg-Biedenkopf vorgesehen.

    Im Nachhinein hätte sowohl mir als auch meinem Pressesprecher das Motto „Trink‘ Dir Europa schön“ schon jedes Alarmsignal vorher auf Sirenen-Modus schalten müssen. Aber in der Hektik der Vorbereitungen der 36-Stunden-Tour durch ganz Hessen war das nicht so. Zumal die örtlichen JuLis wortreich und inhaltsstark erklärten, was die Botschaft gegen Agrarsubventionen und für ein moderneres Europa sei. Also startete die Tour.

    Nach Tour-Stationen in Kassel, Niestetal, Fritzlar und Willingen ging es mit Hendrik nachts nach Marburg. Dort angekommen war die Party schon in vollem Gange, aber meiner Erinnerung nach weder sonderlich wild noch sonderlich gut verglichen mit anderen JuLi-Parties. Sie war aber ganz passabel besucht. Unter anderem auch von einem Kamera-Team und einer freien Journalistin der lokalen Zeitung, die eifrig Bild-Material sammelten und Interviews mit so ziemlich allen Marburger JuLis führten.

    Das Motto, sich Europa schön zu trinken, beinhaltete u.a. eine Farbauswahl an Schnäpsen in roter, schwarzer, grüner und eben gelber Farbe, bei der total überraschenderweise der gelbe Schnaps hinterher am Meisten getrunken war.

    Für die Presse gab es dann noch ein gemeinsames Bild mit Schnapsgläsern. In meinem Glas war, da ich sonst keinerlei Chancen gehabt hätte, die 36-Stunden zu überleben, wie schon den ganzen Abend nur Wasser – glaubt mir zwar keiner im Nachhinein, aber war so.

    Danach ging es auf die weiteren Tour-Stationen durch Schwalm-Eder, Baunatal, Mainz, Frankfurt, Kassel und Göttingen. Und während ich nach 36-Stunden ohne Unterbrechung wach und auch ganz ohne Alkohol im Tiefschlaf im Bett lag, setzte sich irgendwo in Marburg eine Journalistin an ihren Rechner und fing an, aufzuschreiben, was sie so erlebt und gehört hatte.

    Dann kam der Wahlsonntag und nach dem Ausschlafen ging ich zur Wahl und die FDP kam mit einem ordentlichen Ergebnis von 7 Sitzen wieder ins Europaparlament. Während ich das entspannt daheim verfolgte, schalteten in Marburg irgendwo die Druckpressen der Zeitung an und fingen an, das bei der Party geschossene Bild unter anderem mit dem Zitat einer JuLi im Artikel: „Alkohol hilft bei vielen Dingen, warum also nicht bei der Politik?“ zu drucken.

    Dann kam der Montag und damit kam die Zeitung in den Verkauf. Auch ohne die große Verbreitung von Facebook schafft der Bericht dank eines dpa-Tickers durchaus etwas überregionale Bekanntheit für die JuLis vor Ort und hängt meines Wissens noch heute irgendwo in der Landesgeschäftsstelle der Jungen Liberalen Hessen. Auf jeden Fall sorgte er dafür, dass mein Pressesprecher und ich am Montag damit beschäftigt waren, mit diversen Journalisten zu telefonieren, um den Schaden zu begrenzen und das ganze regional einzufrieden, was uns auch ganz gut gelungen ist.

    Natürlich kann man die Frage stellen, ob es wirklich fair durch die Journalistin war, eine damals frisch 21-Jährige in angetrunkenen Zustand zu interviewen und die Zitate dann auch unautorisiert zu verwenden. Aber auf der anderen Seite, muss man wenn man eine Party unter dem Namen ankündigt wohl damit rechnen. Und fairerweise hat die Journalistin noch manches Bild (u.a. von betrunkenen MdLs) ausgelassen. Insgesamt hat es für mich und die JuLis Hessen aber die Lernkurve ausgelöst, dass man genau auf jedes Motto jeder Party achten sollten, und bei allem Verständnis für Freiheit der Untergliederungen auch manchmal eingreifen musste. Auch im gleichen Jahr noch bei den JuLis in Waldeck-Frankenberg, aber das wäre ebenso wie die später getroffene Aussage des FDP-Landesvorsitzenden „Herr Becker, das war jetzt der zweite Zeitungsartikel mit irgendeiner Droge und den JuLis, wir sind uns einig, dass wir einen dritten nicht brauchen?“ eine andere Geschichte.

  • Laden in Jermuk

    Der Tag, an dem wir den Euro nach Jermuk brachten

    Jermuk liegt in Armenien zwischen dem Sewansee und Yerevan. Bekannt ist der Ort für sein Mineralwasser, das man fast im gesamten Kaukasus trinken kann. Es gibt natürlich auch andere Getränke vor Ort. Und für die benötigt man Cash. Aber von Anfang an:

    Das erste Mal waren wir im Jahr 2007 in Jermuk. Einem ehemaligen sowjetischen Luftkurort, in dem gerüchteweise ein paar Jahrzehnte zuvor der Diktator Stalin im ersten Haus am Platz genächtigt hatte. Wir hingegen waren im „First House of Recreation“ einem „sleazy soviet sanatorium“, wie der Lonely Planet die anderen ehemaligen Sanatorien auch nannte, untergebracht. Wir, das war eine Gruppe junger Liberaler, die für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Workshops mit Jugendorganisationen – von AIESEC bis zu den Jugendorganisationen diverser politischer Parteien – gehalten hab, um für demokratische Strukturen zu werben und Fähigkeiten zu schulen.

    Laden in JermukÜblicherweise holten wir uns am ersten Tag für das jeweilige Land die lokale Währung am nächsten Geldautomaten. So hatte es zumindest vorher in Aserbaidschan und Georgien funktioniert und so war zumindest der Plan auch in Jermuk. Nachdem wir keinen Geldautomaten gefunden hatten, fragten wir einen Taxifahrer um Rat. Der bot freundlicherweise an, uns die 40km bis zum nächsten Geldautomat zu fahren, was wir aber höflich ablehnten. Ein Blick in unsere Geldbörsen ergab, dass wir nur noch eine sehr begrenzte Menge US-Dollar dabei hatten, aber noch genügend Euro.

    Also ging es in einen Minimarket/Tante-Emma-Laden mit grandios guten Oliven, an die sich der aktuelle JuLi-Bundesvorsitzende wahrscheinlich noch heute freudig zurückerinnern wird. Dort versuchten wir den Ladenbesitzer zu überzeugen, diese komischen Banknoten mit dem € drauf zu akzeptieren. Dank der Übersetzungsleistung einer armenischen Freundin tat er das dann auch, wenn auch skeptisch und etwas widerwillig. Gekauft wurden ein Kasten Bier, ein paar Softdrinks, ein wenig Wodka und viele Oliven. Der Gegenwert in Euro war bei normalen Wechselkurs so gering, dass wir dem Händler einen verdammt guten Euro-Kurs gemacht haben.

    Als wir am nächsten Tag wieder kamen, hatte er zwischendrin wohl geprüft, was diese komische bunte neue Währung wert war und war mit unserem Wechselkurs mehr als zufrieden. Wir haben in der Woche noch drei Mal bei ihm eingekauft und am letzten Tag verabschiedete er uns, in dem er uns ein „langes und gesegnetes Leben“ wünschte.

    So haben junge Liberale den Euro nach Jermuk gebracht, nachdem wir einen Umweg fahren mussten, um nicht in die rituelle Aufrechterhaltung des Krieges zwischen Aserbaidschan und Armenien zu kommen. Das ist allerdings – genau wie die Granathülsen auf dem Parkplatz unseres Autos in Gori – eine andere Geschichte.

     

    In loser Folge möchte ich über kuriose und besondere Momente (positiv wie negativ) in inzwischen fast 20 Jahren Politik berichten. Beginnen möchte ich mit einer der witzigeren Geschichten aus dem Jahr 2001. Spoiler: Es wird eine „Opa-erzählt-vom-Krieg“-Geschichte, aber das dürfte in dieser Rubrik fast immer der Fall sein.

  • TTIP-Großdemo schränkt Meinungsfreiheit ein

    Anlässlich der Diskussionen und Demonstrationen zu TTIP und CETA in Frankfurt am Main zeigen sich die Freien Demokraten enttäuscht über das dort vorhandene Diskussionsklima: Gemeinsam wollten die FDP Hessen und die FDP Frankfurt getreu dem Motto „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ in der Nähe der Frankfurter Großdemonstration einen Diskussionsstand anbieten, bei dem Demonstranten auch über die Vorteile von Freihandel hätten diskutieren können. Nach erster Genehmigung durch das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt, wurde diese Genehmigung aufgehoben und ein Ort abseits aller TTIP-Demonstrationen vorgeschlagen, da die Polizei nicht die Sicherheit des Standes garantieren konnte. „Die vermeintlich Guten, die für einen gerechten Welthandel einzutreten behaupten, schränken das Recht, eine andere Meinung frei zu äußern, erheblich ein. Wir sehen es als bedenklich für die Meinungsfreiheit in Frankfurt an, dass die Gefahreneinschätzung der Sicherheitsbehörden dazu führt, unser Gesprächsangebot am Opernplatz zu verschieben, weil augenscheinlich einige Teilnehmer der Großdemo nicht mit anderen Meinungen als der eigenen klarkommen“, bedauerte Dr. Thorsten Lieb, Vorsitzender FDP Frankfurt, die Absage des Infostands. Gleichzeitig heben Kreis- und Landesverband hervor, dass dies keine Kritik an Ordnungsamt oder Polizei sei.

    Aus Sicht der Freien Demokraten lebt Demokratie vom Meinungsaustausch und den unterschiedlichen Positionen zu einem Thema, um es aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Dies erfordert eine friedliche und zivilisierte Diskussions- und Demonstrationskultur, denn die Meinungsfreiheit ist eines der höchsten Güter in unserem Land. „Anscheinend ist auch bei der TTIP-Großdemo zumindest für einige die Akzeptanz einer anderslautenden Meinung als der eigenen so schwer zu ertragen, dass wir geschützt werden müssten. Für Freie Demokraten, die völlig auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen, ist dies eine merkwürdige Situation“, erklärte Lasse Becker, stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Hessen und weiter: „Bei TTIP und CETA geht es für uns darum, dass gerade ein exportorientiertes Land wie Hessen, stark von Freihandel profitieren würde: Wir würden neue Arbeitsplätze in Hessen schaffen und es würden gerade kleine und mittlere Unternehmen davon profitieren. Ein Großunternehmen kann schon heute mit großen Exportabteilungen die Standards verschiedener Länder erfüllen, kleinere Unternehmen haben hier weitaus größere Probleme.“

    Die FDP wollte an ihrem Stand den Fragen nachgehen, ob Freihandel mehr Arbeitsplätze schafft, welche Auswirkungen er auf Standards hat, ob Großunternehmen oder eher kleinere Unternehmen Nutznießer von Freihandelsabkommen sind. „Wir sehen sowohl Chancen als auch Risiken durch den Freihandel und sind nach wie vor bereit, dies offen zu diskutieren, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Einfach nur dagegen zu sein, reicht nicht und ist nicht unsere Lösung, denn wir wollen Europa und unser Land gestalten und bestmöglich aufstellen. In den USA wird diskutiert, ob ein Rohmilchkäse (z.B. Schimmelkäse oder Camembert) wirklich zugelassen werden kann, in Deutschland ist dies umgekehrt bei manchem US-amerikanischen Verfahren der Fall. Wir sollten deshalb immer beide Seiten abwägen, aber hätten zumindest die andere Seite sehr gerne auch diskutiert“, so Lieb.

    Lieb und Becker heben abschließend hervor: „Wir Freien Demokraten halten unser Gesprächsangebot weiter aufrecht, aber es macht keinen Sinn abseits des Geschehens diskutieren zu wollen. Wir sind – genau wie viele andere Freie Demokraten – gerne bereit mit den Gegnern von freiem Handel zu diskutieren und kommen dafür auch gerne zur Demonstration vorbei.“

  • Zwei Kinder lernen am Rechner

    Schulen aus der Kreidezeit holen

    Erschienen als Gastbeitrag in der Fuldaer Zeitung vom 26. Juli 2016

    Sie fragen sich vielleicht: Warum keine Kreide mehr? Ich erinnere mich gut an den Aufschrei, als die hessischen Freien Demokraten im Frühjahr einen Tablet-Computer für jeden Drittklässler und ein Notebook für jeden Siebtklässler gefordert haben. Das „Warum“ hat etwas mit den Lebensrealitäten zu tun: Egal ob in der Freizeit, bei der Tätigkeit im Verein oder im Beruf: Es gibt fast kein Feld des Lebens mehr, in dem die jungen Menschen nicht mit dem digitalen Leben konfrontiert sein werden.

    Als Schüler tauschen sie sich genauso über Whatsapp aus, wie sie später ihre Bewerbung per E-Mail verschicken werden. In der Industrie gibt die Maschinenbedienerin den Fertigungsauftrag ebenso am Touchscreen frei, wie der Hotelangestellte in der Rhön eine Hotelbuchung über das Internet bestätigt. Kurz: Die Digitalisierung ist heute schon überall.

    Nur in unseren Schulen, da sind wir noch in der Kreidezeit. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bleibe überzeugt, dass vor allem anderen das Erlernen und Stärken von Lesen, Schreiben und Rechnen stattfinden muss. Im Anschluss daran jedoch kann digitale Bildung Schüler weiterbringen: Moderne Lernsoftware kann Schüler mit Problemen motivieren, dran zu bleiben. Wer beim Rechnen Probleme hat, wird nachmittags mit seinem Tablet-Computer und didaktisch aufbereiteten Programmen zum Mathe-Lernen eher noch üben, als wenn er dafür erst ein Buch aus der Bibliothek ausleihen muss.

    Wichtig dabei ist, dass Lernsoftware und digitale Bildung mehr sein soll als nur eine ePaper-Funktion eines Buches: Die große Stärke eines Tablet-Computers oder Notebooks ist, dass es interaktiv und multimedial ist.

    Die Schülerin, die im Sachkundeunterricht der vierten Klasse Probleme mit dem Verständnis des Wasserdrucks hat, kann das nicht nur im Buch nachlesen, sondern auch in einem kurzen Video die Wirkung von Wasser, das aus einem Hochbehälter kommt, sehen und mittels einer Lern-App mit dem Wasser virtuell experimentieren. Während sie das in der Grundschule vielleicht ein- oder zweimal real experimentieren könnte, kann sie es in der App beliebig oft nachspielen. Der Achtklässler, der Probleme mit englischen Vokabeln hat, kann diese nicht nur stur vom Blatt oder aus dem Buch auswendig lernen und sich dabei am Ende noch eine falsche Aussprache angewöhnen. Er kann vielmehr das englische Wort richtig vorgesprochen bekommen, Vokabeln spielerisch in einem Lernspiel festigen und vertiefen und sie direkt in einem Referat, das er auf seinem Notebook entwickelt, nutzen.

    Durch gute Lernsoftware können Schüler, die bei reinem Frontal- und Gruppenunterricht kombiniert mit Bücherlernen schlechtere Chancen hätten, individueller gefördert werden, sie können Spaß am Lernen und an der für sie besten Lernweise entwickeln. Sicherlich folgen daraus für Lehrkräfte Herausforderungen – aber auch große Chancen.

    Digitale Bildung hilft Schülerinnen und Schülern auch, rechtzeitig die nötige Medienkompetenz zu erlangen:

    Dass manches dauerhaft sichtbar in sozialen Medien wird, lässt sich bei praktischer Anwendung leichter zeigen als in einer Kreidezeichnung an der Tafel. Kurzum: Schule, die nach dem Erlernen der Grundfähigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen digitale Bildung nutzt, um allen Schülern kindgerecht individuelle Förderung zukommen zu lassen, kann mehr Lebenschancen eröffnen als eine Schule in der Kreidezeit.

    Um dies alles zu erreichen, brauchen wir eine gemeinsame Anstrengung: Wir brauchen Kreise, die in Smartboards, EDV-Support und schnelles Internet investieren. Wir brauchen Länder, die Tablet-Computer und Notebooks mit Lernsoftware – und nicht nur von den großen Verlagen – besorgen. Wir brauchen den Bund, der eine Verzahnung zwischen den Bundesländern ermöglicht.

    Und alle zusammen sollten dabei den Schulen möglichst große Freiheit geben, um ihre Schüler individuell zu fördern: Damit die Physiklehrerin genau wie der Lateinlehrer diese Möglichkeiten nutzen kann.

     


    Den gesamten Beschluss der FDP Hessen, der diesem Gastbeitrag zugrunde liegt, finden Sie hier.

  • Statt Rosenkrieg: Europäische Union als Freihandelszone und Vereinigte Staaten von Europa als föderaler Bundesstaat

    Großbritannien will aus der EU austreten. Das steht fest. Auch wenn mancher jetzt zu glauben scheint, dass dies nur ein geschickter Schachzug, um den Briten die Vorteile der EU näher zu bringen sein, muss man das akzeptieren. Fast wie ein betrogener Ehemann bei einer Scheidung – rufen Politiker nach einer harten Verhandlungsposition, man könnte auch fast harten Vergeltungsmaßnahmen sagen. Andere fordern das sofortige Gewähren aller Rechte. Beides ist symptomatisch für den Drang der Politik immer eine schnelle Antwort zu liefern. Leider hat auch meine eigene Partei dabei mitgemacht, ohne wirkliche Antworten, was dieses neue Europa sein soll. Was mein FDP-Landesvorsitzender sich vorstellt, ist dabei sicher etwas anderes als das, was ich mir vorstelle oder was unsere Generalsekretärin sich vorstellt oder was der JuLi-Bundesvorsitzende sich vorstellt. Politik sollte in einem solchen Moment vielleicht eher zu der Unvollkommenheit des eigenen Wissens stehen: Wir wissen nicht, was für Auswirkungen das Votum hat. Ich persönlich befürchte zwar negative für Großbritannien vor allen Dingen, aber sicher sagen kann ich das heute nicht.

    Was ich aber sagen kann, ist, dass ich weiß, was für ein Europa ich mir in dieser Krise wünsche und welche Konsequenzen Europa aus meiner Sicht ziehen sollte. Was also mein neues Europa wäre. Das ist aber ausdrücklich meine private Meinung und nicht irgendein Beschluss der Freien Demokraten:

    Mehr Europa … aber anders – auch im Gespräch mit dem Bürger

    Mehr Europa wünsche ich mir, weil ich davon überzeugt bin, dass gerade meine Generation, der heute und zukünftig Berufstätigen weit mehr Vorteile aus Europa zieht als viele andere Generationen ohne ein geeintes Europa vorher. Das geht los mit der kompletten Selbstverständlichkeit der Reisefreiheit und der Einfachheit, ohne Geld zu wechseln, in viele europäische Länder zu reisen. Viel wichtiger ist aber, dass wir gemeinsame Aufgaben, Werte und Ziele haben. In Zeiten von Spannungen und Herausforderungen ist das gemeinsame Einstehen für andere Europäer eine gemeinsame Herausforderung– sei es auf dem Baltikum, sei es in Italien oder sei es auf der iberischen Halbinsel.

    Und bei aller Kritik an Europa sollte klar sein: Die Kommission hat Recht, wenn sie sagt, dass jede Rechtsvorgabe aus Europa immer mit deutscher Beteiligung im Rat und im Parlament entstanden ist.

    Wichtig ist beim Gespräch mit dem Bürger in Europa – also der öffentlichen Kommunikation –, eine Politik, die nicht in Ritualen abläuft. Am Tag nach dem Referendum wirkten für mich beide Nigel Farage, wie auch Martin Schulz, wie Rednerpuppen, die einen Text abspulten, der – vollkommen unabhängig vom Ausgang des Referendums – so abgespult worden wäre. Farage mit Hasstiraden auf Europa und Schulz mit der Forderung nach einem europäischen Sozialstaat. Die Sorgen, die ich bei meiner 60-Jährigen Nachbarin am Tag nach dem Referendum morgen gehört habe, dürften beide geflissentlich ignoriert haben: Sie hatte in diesem Moment Sorgen um Frieden, um den Wohlstand ihrer Kinder und um die Sicherheit – gerade mit Blick auf Putin. Europäische Politik muss genau diesen Sorgen um den drohenden Zerfall Europas ebenso wie um eine Vision für die Zukunft Europas zuhören und das Gespräch aufnehmen.

    Aber auch nationale Politik ist gefordert: Der deutsche Wirtschaftsaufschwung der letzten Jahre war nur wegen der Vorteile eines gemeinsamen Binnenmarktes der Europäischen Union möglich, was aber nur sehr wenige Bundestagsabgeordnete in den letzten Jahren so konkret gesagt haben dürften. Wenn aber eine EU-Richtlinie einem Bundestagsabgeordneten nicht gepasst haben dürfte, hat er das mit Sicherheit sehr deutlich und laut gesagt – wohlwissend, dass diese Richtlinie von der Bundesregierung und seinen deutschen Europaparlamentskollegen mitgetragen wurde. Kritisiert wurde dabei ein abstraktes Europa und eben nicht, die zuständige Fachministerin oder der Fachminister im Bundeskabinett.

    Zwei Geschwindigkeiten … Vereinigte Staaten von Europa als föderaler Nukleus eines gemeinsamen Europa

    Wir brauchen ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Bis Bulgarien oder Griechenland in allen Bereichen wirklich integriert wären, dürfte noch etwas Zeit vergehen, und ob Ungarn wirklich noch alle Werte der Europäischen Union lebt, lasse ich aus Höflichkeit lieber offen. Deshalb sollte man einerseits im Zentrum Europas mit Frankreich, den Benelux-Staaten und Deutschland, sowie interessierten, aber vor allem entsprechend aufgestellten, Nachbarstaaten, die nächsten Schritte hin zu den strikt föderalen Vereinigten Staaten von Europa gehen. Zu einem weiteren Zusammenwachsen gehört für mich die gemeinsame Öffentlichkeit und die gemeinsame Kommunikation, auch wenn – oder gerade weil – in diesen Vereinigten Staaten kein englischsprachiges Land ist, wäre ich dafür Englisch sofort in allen Ländern zur zweiten Amtssprache zu machen und ab der Grundschule zu unterrichten. Genauso gehört für mich ein abgesteckter gemeinsamer Rahmen in der Schule zur Entwicklung eines gemeinsamen Europas dazu. Aus beidem kann mittel- bis langfristig eine gemeinsame Öffentlichkeit entstehen und darum sollten wir uns bemühen – nicht zuletzt um auch die Institutionen der Europäischen Union besser zu kontrollieren.

    Europäische Union der 28 oder 27 als Sicherheits- und Freihandelszone mit Grundfreiheiten als breites Angebot zentraler Europäischer Werte

    Gleichzeitig sollten wir uns bei der gesamteuropäischen Ebene der 28 oder bald zumindest temporär 27 Mitgliedsstaaten uns stärker auf den Grundsatz einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, aber auch eines gemeinsamen Binnenmarktes konzentrieren. Europa muss die Sicherheit jedes Staates von Estland bis Malta sicherstellen und das ist Aufgabe einer großen Europäischen Union. Die Grundlage für Frieden und Freiheit in Europa hat aber der Binnenmarkt der Europäischen Union geschaffen. Diese Grundsätze müssen wir wieder hochhalten. Es ist ein Vorteil für Spanien, wie für Deutschland, wenn freie Marktzugänge bestehen. Grundsatz bleibt aber: Jeder Staat, der die großen Freiheiten der Europäischen Union – von der Personenfreizügigkeit, über den freien Warenhandel bis zum freien Kapitalverkehr – in seinem Land nutzen will, muss all diese Freiheiten auch den Bürgern der anderen Länder der Europäischen Union einräumen. Es ist bedauerlich, dass Großbritannien, diese Freiheiten nicht mehr gewähren will, aber es folgt daraus, dass die Europäische Union andererseits auch von diesen basalen Freiheiten nicht abrücken kann.

    Gleichzeitig sollte die dann stärker auf Freihandel und Sicherheit reduzierte Europäische Union der 27 offen sein für neue Partner. Eine Integration in eine Freihandelszone ist leichter als in eine stärker integrierte Union. Von Schottland bis zu Norwegen sollte die Europäische Union deshalb neuen Mitglieder offen entgegentreten, nicht zuletzt weil die Integration durch ein Europa der zwei Geschwindigkeiten erleichtert bzw. erst wieder ermöglicht wird.

     

    Zum Brexit selbst gebieten jetzt aber die gemeinsamen europäischen Werte einen fairen Umgang mit Großbritannien bzw. den Teilen Großbritanniens, die die Europäische Union verlassen wollen. Das bedeutet für mich, dass man in den Verhandlungen klar machen muss, dass man nicht nur teilweise ein paar Vorteile der Europäischen Union nutzen kann, sondern dass die Grundfreiheiten nicht verhandelbar sind, aber dass man andererseits auch nicht von einem Nicht-Mitglied alle Pflichten (wie Beitragszahlung) weiter verlangen kann. Gleichzeitig begrüßen wir neue Mitglieder, die unsere Werte teilen, und das können natürlich auch Länder sein, die bisher Teil Großbritanniens waren uns jetzt eine andere Entscheidung als England und Wales treffen möchten.

     


    Kurz zusammengefasst:

    Wir brauchen ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Mit eng verzahnten Vereinigten Staaten von Europa im Herzen einer großen Freihandels- und Sicherheitszone Europäische Union. Dazu gehören gemeinsame Werte, die es jetzt auch im Umgang mit den Teilen Großbritanniens, die austreten möchten, zu bewahren gilt.

     

  • Hafenkräne - Industrie und Wirtschaft

    Was Neoliberalismus ursprünglich bedeutet.

    Ein kleiner Exkurs in die Wirtschaftstheorie …

    Ich gebe mich nicht der Illusion hin, mit einem Blogeintrag, die komplette deutsche Sozialdemokratie von der ideengeschichtlich falschen Nutzung des Begriffs „Neoliberalismus“ abzubringen. Aber der Tweet des hessischen Landtagsabgeordneten Stephan Grüger (siehe unten) und der anschließende Dialog bringt mich dazu, es doch zumindest punktuell zu versuchen.

     


    Im Tweet geht es darum, dass die „neoliberale Ideologie“ totalitär, naiv-vulgär-marktgläubig pro monopolistisch sei (Ich beschränke mich bewusst auf den Begriff „neoliberal“, da er der häufiger gebrauchte ist). Woher kommt der Begriff „neoliberal“ und was war „neo“ als neu am Neoliberalismus ist deshalb die Frage.

    Neoliberalismus und Monopole

    Ausgehend vom sogenannten Laissez-Faire-Liberalismus und klassischen Liberalismus werden erst von neoliberalen Theoretikern die Erfahrungen aufgenommen, dass privatwirtschaftliches Handeln, nicht immer zur effizienten Lösung führen. Klassische Beispiele sind natürliche Monopole, aber auch generell Monopole oder – wenn auch erst wesentlich später wirklich wirtschaftswissenschaftlich ausführlich ausgeleuchtet – externe Effekte bei öffentlichen Gütern. Kurz zusammengefasst: Während ein Laissez-Faire-Liberaler oder purer klassischer Liberaler ein Kartellamt oder andere Maßnahmen zur Beschränkung von Monopolen ablehnen würde, sind es in den Wirtschaftswissenschaften Neoliberale, die diese Maßnahmen einführen wollten. Insofern wäre bezogen auf Monopole der Tweet relativ eindeutig ideengeschichtlich widerlegbar.

    Neoliberalismus und Marktgläubigkeit

    Ausgehend davon lässt sich gerade auch ableiten, dass der Schritt vom Laissez-Faire-Liberalismus zum Neoliberalismus der Schritt von reiner Marktgläubigkeit, hin zum ersten kritischen Hinterfragen des Marktes war. Selbst in den Schriften von Hayek, unbestreitbar ein Autor, der die Ideale des Marktes hoch hält, lassen sich deutliche Belege dafür finden, dass es nicht bei allen Markttransaktionen zu effizienten Lösungen kommt, und deshalb ein (stark beschränktes) Eingreifen des Staates vertretbar und notwendig sein kann.

    Aus dem ersten kritischen Hinterfragen des Marktes folgt dann die deutsche Form, des Neoliberalismus als Ordoliberalismus: Der Staat soll in diesen Fällen durch einen grundsätzlich ordnenden Rahmen, aber nicht durch Einzelmaßnahmen eingreifen. Das ist für mich als Ordoliberalen der Grund, warum ich einen Mechanismus, wie den Zertifikatehandel besser finde, als eine interventionistische Anordnung, dass jedes Unternehmen oder jedes Fahrzeug jetzt nur noch eine bestimmte Emission haben darf. Damit dürfte auch das naiv-vulgär-marktgläubig widerlegt sein. Ich sehe, dass mit der Weitentwicklung vom Homo Oeconomicus zum Homo Oeconomicus Instituionalis das kritische Hinterfragen von Marktstrukturen noch weit über die Neoliberalen hinaus gegangen ist, aber das würde a) hier zu weit führen und b) widerspricht es nicht dem grundsätzlichen Punkt, dass dieses Hinterfragen erst von Neoliberalen im liberalen Strang der Ideengeschichte forciert wurde.

    Das waren die beiden relativ leicht faktenwiderlegten ideengeschichtlichen Fehler. Ich würde Herrn Grüger also durchaus zugestehen, dass er hätte er von „Laissez-Faire-Liberalen“ einen validen Punkte hätte, nur ist die Anzahl echter Laissez-Faire-Liberaler, die sogar den Ordoliberalismus als zu interventionistisch ablehnen, höflich gesprochen sehr überschaubar.

    Wem übrigens meine Ausführungen nicht ausreichen, dem empfehle ich den Artikel zu Neoliberalismus in Gablers Wirtschaftslexikon nachzuschlagen (generell eine gute und anders als Wikipedia auch eine in wissenschaftlichen Arbeiten zitierbare Quelle zu Wirtschaftsthemen), die Definition dort:

    „Denkrichtung des Liberalismus. Forderungen des klassischen Liberalismus werden aufgegriffen, das Konzept jedoch aufgrund der Erfahrungen mit dem Laissez-Faire-Liberalismus, sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaften und dem konzeptionslosen Interventionismus, der spätestens seit Beginn des 20. Jh. die Wirtschaftspolitik der meisten marktwirtschaftlichen Ordnungen kennzeichnet, korrigiert. Betont wird wieder die Ordnungsabhängigkeit des Wirtschaftens und die Bedeutung privatwirtschaftlicher Initiative. Stärker als im klassischen Liberalismus, wird berücksichtigt, dass der Wettbewerb durch privatwirtschaftliche Aktivitäten bedroht ist, da sich ihm die Marktteilnehmer durch die Erlangung von Marktmacht zu entziehen versuchen. Daher soll der Staat den freien Wettbewerb aktiv vor dem Entstehen privatwirtschaftlicher Marktmacht wie auch vor staatlich verursachter Marktvermachtung schützen (s. Interdependenz der Ordnungen).

    Die in der Bundesrepublik Deutschland vertretene Ausgestaltung des neoliberalen Konzeptes wird als Ordoliberalismus bezeichnet, der auf die in den 1930er-Jahren begründete Freiburger Schule zurückgeht.“

    Wer es noch einfacher haben will, kann auch hier bei der Bundeszentrale für politische Bildung vorbeischauen.

    Neoliberalismus und Totalitarismus

    Etwas schwieriger ist die Verknüpfung von Neoliberalismus und Totalitarismus. Da die wissenschaftlichen Überschneidungen beider Begriffe kaum vorhanden sind. Ich würde an dieser Stelle aber dagegen halten wollen, dass gerade der Markt an sich, wenn er richtig funktioniert, die stärkste Form der Demokratie und damit das glatte Gegenteil von totalitär ist: Der Markt ist ein Mechanismus zur Entmachtung einiger weniger großer Marktteilnehmer und zum Sichtbar-Machen der vielen kleinen Marktteilnehmer

    Während bei einem interventionistischen Ansatz oder im Sozialismus einige wenige Politiker oder Bürokraten entscheiden, was Preise und Mengen in der Produktion sein sollen, entscheiden in einem funktionierenden Markt alle Konsumenten und Produzenten, in dem sie ihre Preisbereitschaften nutzen. Es würde wahrscheinlich auch für ein oder zwei weitere Blogposts reichen, um das auszuführen, aber als Konzept sollte man es zumindest im Hinterkopf haben.

    Jetzt kann man aus sozialdemokratischer Sicht sagen, dass Märkte nicht immer funktionieren. Das stimmt auch, aber genau das erkennt eben der Neoliberalismus erstmals an. Insofern hoffe ich auch dieses Argument widerlegt zu haben. Diesen Kritikpunkt würde ich insofern noch nicht einmal gegenüber dem Laissez-Faire-Liberalismus gelten lassen.

     

    Wie gesagt: Ich werde damit nicht alle Sozialdemokraten, die den Begriff „Neoliberalismus“ (teilweise bewusst) ideengeschichtlich falsch verwenden, überzeugen, aber ich hoffe, den einen oder anderen, der es nur aus Versehen getan hat, mit diesem kleinen Ausflug in die liberale Ideengeschichte aufgeklärt zu haben.

     

    Hinweis:

    Leider bin ich gerade nicht an meiner wissenschaftlichen Literaturdatenbank, deshalb kann ich die Stelle von Hayek nicht exakt belegen, das kann ich aber bei Interesse gern von daheim Ende kommender Woche nachholen.

    Die Überschrift wurde nach Kritik versachlicht.

  • Von ruthe.de

    Satire darf Grenzen ausreizen … und Politik muss nicht jeden Mist kommentieren

    Bei „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ von Extra3 habe ich mich vor dem Handy totgelacht. Als ich Jan Böhmermanns Schmähgedicht gesehen habe, fand ich es nicht sonderlich lustig, fand aber das Ziel, dass er mit seiner Einleitung verfolgt großartig: Er stellt selbst heraus, dass dies keine Satire mehr sei, sondern zeigt, was in Deutschland gerade nicht mehr oder maximal gerade noch zulässig ist. Das erinnert – nicht nur von der Wortwahl („nicht klatschen, nicht klatschen“) an die großartigsten – weil lehrreichsten – Momente des Colbert Reports, der einer breiten Öffentlichkeit z.B. die Absurditäten der Super-PACs in den USA näher gebracht hat. Satire darf auch Grenzen aufzeigen und ich wünsche mir, dass die politische Satire auch die Grenze der Absurditäten deutscher Gesetze erreicht. Deshalb finde ich das Gedicht von Jan Böhmermann zwar inhaltlich merkwürdig und unrichtig, aber sein Anliegen und die Art des Beitrages richtig und interessant. Er sagt schließlich selbst gefühlte 50 Mal, dass dies unzulässig sei und aus der Mediathek gelöscht würde.

    Neo Magazin Royale – Erdogan Schmähgedicht from Ldoa k on Vimeo.

    Schwer zu verstehen, ist die Politik des ZDF, die ja auch zurecht von anderen Satirikern – sogar von der eher banalen HeuteShow – angegriffen wurde: In einem solchen Moment sollte man das Ziel dahinter sehen und zumindest abwarten, bis derjenige, der juristisch etwas vorbringen kann – also Erdogan –, dies auch getan hat. Alternativ hätte man auch Jan Böhmermann direkt feuern können, wenn er wirklich so mit allen Standards des ZDF gebrochen hätte. Das wäre zwar schade gewesen, aber zumindest stringent. Um auch hier ein Beispiel aus den USA zu verwenden: Bill Maher, der meiner Einschätzung nach beste politische Satiriker der USA, wurde nach einer streitbaren Aussage zum 11. September gefeuert. Er ist danach nur besser geworden.

    Warum die Kanzlerin sich ernsthaft mit einem Gedicht befassen muss, lässt sich für mich schwer erklären – außer über einen inhaltlich ebenfalls schwer zu erklärenden Deal mit der Türkei in der Flüchtlingskrise. Als Bundeskanzler wäre es klüger gewesen, den Mund zu halten und einfach mal den Rechtstaat wirken zu lassen. Das hätte übrigens auch der Gewaltenteilung entsprochen. Wenn Erdogan ein Problem hat mit der Schmähkritik, dann kann er das klären lassen, aber es ist nicht Aufgabe der Bundesregierung jeden Mist zu sehen geschweige denn zu kommentieren. Die Frage ist auch, ob Erdogan das juristische Verfahren angestrengt hätte … der österreichische Bundespräsident hat schön in der Süddeutschen ausgeführt, warum dies nicht sinnvoll ist und das teile ich. Es fällt schwer, Satire zu ertragen, wenn man sie dumm und nicht lustig findet – ging mir bei einer Anzeige in der Titanic zu meiner Person auch so – aber deshalb so durchzudrehen, erscheint mir mehr als unangemessen.

    Allerdings muss auch Jan Böhmermann lernen mit Kritik umzugehen: Meinungsfreiheit heißt, dass jeder alles sagen darf, aber nicht, dass es unwidersprochen bleiben muss und es ist auch Meinungsfreiheit, wenn jemand sagt, dass er das Schmähgedicht dümmlich findet – nur lässt man seine Privatmeinung üblicherweise nicht über einen Regierungssprecher ausrichten. Der am Anfang angesprochene Stephen Colbert wurde geprügelt und gefeiert für eine großartige Persiflage auf den damals amtierenden George W. Bush. Bill Maher wurde für eine politisch nicht dem Mainstream entsprechende Aussage auf ABC gefeuert. Das gehört dazu, wenn man Grenzen ausreizt. Aber man sollte die Grenzen eben trotzdem ausreizen.

    Und zum Abschluss noch etwas, dass auf jeden Fall mich zum Lachen gebracht hat:

    Beitragsbild stammt von Ruthe.

  • Zwei große Menschen

    Die Nachricht vom Tod von Hans-Dietrich Genscher bringt mich dazu, über zwei Außenminister von Format, aber vor allem zwei große Menschen zu schreiben.

    Ich hatte die Ehre, mich mit Guido Westerwelle insbesondere in den ersten Jahren als JuLi-Bundesvorsitzender regelmäßig auszutauschen.  Hans-Dietrich Genscher aber  ist derjenige, der mich erbleichen ließ, wie kein anderer. Dazu später mehr im Text.

    Guido Westerwelle

    Es wäre gelogen zu sagen, dass Guido Westerwelle und ich immer einer Meinung gewesen wären und ich ihn immer schon bewundert hätte. Aber es gibt wenige Menschen, vor denen ich einen solchen politischen Respekt hatte und von dem man so viel lernen konnte – und nicht nur politisch sondern auch menschlich.

    Ich erinnere mich noch an meine allererste persönliche Begegnung mit Guido Westerwelle bei einem Fototermin am Rande einer Wahlkampfkonferenz der Bundestagswahl 2002. Hochnervös neben Guido Westerwelle für ein kurzes Foto  stehend, gab er mir dann wirklich herzlich ein oder zwei schnelle Ratschläge zu Pressefotos – die ich übrigens bis heute berücksichtige – und nahm mir so schnell die Nervosität. Die Motivation und das Fieber – im positiven wie im negativen Sinn – des Projekts 18 hat die FDP modernisiert und angetrieben wie wenige andere Dinge, die ich später in der Politik erlebt habe. Leider war es dabei manchmal so viel, dass hinterher auch die guten Dinge der Kampagne, wie die Selbstständigkeit der FDP und das Selbstbewusstsein zurückzugehen schien.

    Jahre später als JuLi-Bundesvorsitzender durfte ich mich dann im Auswärtigen Amt, wie auch im Thomas-Dehler-Haus regelmäßig  mit ihm austauschen und habe viele seiner Ratschläge sehr gerne aufgenommen. Er war mit Sicherheit der lauteste Ratgeber dafür, dass ich auf jeden Fall darauf achten sollte, meine Promotion abzuschließen und zu arbeiten.

    Was für mich den großen Menschen Guido Westerwelle aber am Sichtbarsten gemacht hat, war der Umgang mit seinen Mitarbeitern – oder genauer – mit seinen Personenschützern. Es gab immer wieder Gespräche des JuLi-Bundesvorstands mit dem FDP-Bundesvorsitzenden (und auch mit anderen Personen, aber das ist nur für den Vergleich wichtig) – üblicherweise bei einem guten Italiener in Berlin. Während bei anderen Gesprächspartnern in der Vorbereitung eher technisch mit Büros ein Essen abgestimmt wurde, war dem Genussmenschen Guido Westerwelle einerseits die Auswahl des Italieners sehr wichtig und andererseits war er der einzige Gesprächspartner, der selbst wirklich immer  Mal nachfragte, dass  auf jeden Fall ein Tisch für seine Personenschützer reserviert sein müsse, damit diese auch in Ruhe und genussvoll essen können. Noch deutlicher wurde der menschliche Umgang Guido Westerwelles beim Sommerfest der JuLis im Jahr 2012. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie unser Gast Guido Westerwelle, der sonst immer lange blieb, sehr früh sagte: „Herr Becker, entschuldigen Sie, ich muss jetzt heim. Heute ist das Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft. Ich muss das zwar nicht sehen, aber nur, wenn ich eine halbe Stunde vorher sicher in meiner Wohnung bin und genickt habe, dass ich nicht mehr rausgehe, können meine Personenschützer das Spiel sehen.“

    Gerade diese Empathie macht es für mich umso schmerzhafter, dass ich weiß, dass wir – auch ich – ihn bei seinem Ausscheiden aus dem FDP-Bundesvorsitz verletzt haben. Weniger mit Kritik in der Sache – ich erinnere mich noch sehr gut an sein herzliches Lachen beim Bundeskongress in Jena, als wir kritisiert hatten, dass die Partei aus „Guido Westerwelle, Guido Westerwelle, Guido Westerwelle und Sky du Mont“ in der öffentlichen Wahrnehmung bestünde, sondern in Form und Zeitpunkt mancher Kommunikation. Ich versuche, aus dieser Erkenntnis zu lernen, auch wenn ich weiß, dass sich manche Verletzungen wohl in der Politik nicht vermeiden lassen.

    Politisch der prägendste Moment – der auch beide Außenminister betraf – war in meiner Zeit als JuLi-Bundesvorsitzender eindeutig der FDP-Mitgliederentscheid. Der Morgen danach, als der Rauch sich verzog und ein Ergebnis da war, war ein Moment ehrlicher Erleichterung. Ich zumindest hatte Angst, was mit Europa passiert wäre, wenn der Mitgliederentscheid anders ausgegangen wäre. Selten ist mir die Tragweite politischen Handelns – in dem Moment übrigens auch in der Jugendorganisation- deutlicher geworden. Die Erleichterung konnte man an diesem Morgen im Thomas-Dehler-Haus auch Guido Westerwelle anmerken. Im Nachhinein konnte man darüber schmunzeln, aber an diesen Tagen war es erleichternd und bedrückend, von ihm zu hören, was die vom Auswärtigen Amt erwarteten Auswirkungen zum Beispiel auf die Börsen – im Falle eines anderen Ergebnisses – gewesen wären . Und der Mitgliederentscheid der FDP wäre nicht so ausgegangen, wenn nicht viele in dieser Partei – allen voran der Außenminister Guido Westerwelle – ihr Gewicht in die Waagschale geworfen hätten. Man kann immer über Details einer Politik streiten und wird nie in allen Punkten einer Meinung sein, aber Guido Westerwelle war ein großer und überzeugter Europäer.

    Hans-Dietrich Genscher

    Dieses Europa, für das Guido Westerwelle kämpfte, hat maßgeblich Hans-Dietrich Genscher geformt. Hans-Dietrich Genscher war mehr als ein Politiker, er war ein Staatsmann und er war – auch wenn er die Aussage selbst wohl gehasst hätte – wandelnde Geschichte.

    Als neues FDP-Mitglied durfte ich kurz nach meinem Eintritt im Jahr 2000 eine Einladung zu einer Jubiläumsveranstaltung für die 2+4-Verträge mit Genscher und anderen internationalen Gästen – ich meine den anderen damaligen Außenministern – in Berlin teilnehmen. Schon da war Genscher legendär. Meine allerersten politischen Erinnerungen sind der Fall der Mauer und auf ewig wird dies mit Hans-Dietrich Genscher und natürlich Helmuth Kohl verknüpft sein.

    Auch nach Jahren politischer Debatten war ich höllisch nervös, als ich beim Bundeskongress in Köln etwas in der Aussprache zu Genscher gesagt habe – wenn ich mich recht erinnere mit Lob für ihn und Kritik an der damaligen außenpolitischen Ausrichtung der FDP.

    Und so war es auch Hans-Dietrich Genscher, der mich in einem Café in Berlin erbleichen ließ: Wir JuLis hatten ein Strategiepapier an den gesamten FDP-Bundesvorstand verschicken lassen. Mir war nicht klar, dass dieser Verteiler natürlich auch das Büro des Ehrenvorsitzenden umfasste. Eines Morgens frühstückte ich mit einer guten Freundin in einem Café in Berlin und hatte eigentlich zugesagt, nicht ans Handy zu gehen. Es klingelte eine nordrhein-westfälische, ich meine Bonner, Nummer während wir dort saßen. Mit dem Kommentar „Sicher irgendein Journalist.“ drückte ich die Nummer weg. Zehn Sekunden später, gleiche Nummer. Wieder weggedrückt. Weitere 10 Sekunden später dritter Anruf. Mit dem Kommentar „Sekunde, ich geh kurz dran und sag, dass ich gerade nicht kann.“ Die anschließenden Momente werden von der Freundin genau wie vom Kellner wie folgt beschrieben: Mein Gesicht wird aschfahl, ich sage: „Ja gerne“, dann knallrot, dann wieder aschfahl, danach folgt die Begrüßung „Guten Morgen, Herr Genscher!“. Danach hatte ich mein erstes längeres Telefonat mit Hans-Dietrich Genscher, der auch im hohen Alter noch über seine Freien Demokraten diskutieren und strategische Meinungen der JuLis hören wollte.

    Und er nahm sich Zeit dafür, in seinem Zimmer im Adlon hatte er im Herbst danach eine knappe Stunde für ein persönliches Gespräch zu Europa, der FDP und den JuLis avisiert. Als wir dann ins Gespräch kamen, hat das Gespräch fast zweieinhalb Stunden gedauert und wir sind danach gemeinsam zum Geburtstagsempfang von Jörg van Essen in die Parlamentarische Gesellschaft gegangen. Ich habe viel gelernt in diesen zwei Stunden – über Europa genauso,  wie über Deutschland – und konnte sehen, wie die Augen geglüht haben (wie auch Wolfang Schäuble das hervorgehoben hat). Besonders aufgefallen ist mir das an zwei Stellen: Wenn Hans-Dietrich Genscher über Europa gesprochen hat, brannte er noch immer für seine europäische Idee und wenn er über Willy Brandt sehr persönlich gesprochen hat, konnte ich einen Respekt vor einer Person mit all ihren Facetten spüren, wie ich sie selten in der Politik wahrgenommen habe.

    Wir sollten Genscher nicht verklären, er war nicht nur (aber eben auch) ein brillanter Außenpolitiker, sondern auch ein extrem guter – vielleicht der beste – Machtpolitiker, den die FDP hatte. Deshalb war ich auch froh, ihn in vielen europapolitischen Debatten und Herausforderungen fest an unserer Seite zu wissen.

    Wahrscheinlich hätte er ohne genau dies aber auch nicht eine solche außenpolitische Wirkung entfalten können und zu der wandelnden Geschichte werden können, die ich auf dem Weg zur Parlamentarischen Gesellschaft erleben konnte: Im Regierungsviertel in Berlin herrscht eine gewisse Abstumpfung was hochrangige Politiker auf der Straße angeht. Mit Hans-Dietrich Genscher einige hundert Meter vom Adlon zur Parlamentarischen Gesellschaft zu laufen, zeigte, dass dies nur für Politiker, nicht aber für Staatsmänner und wandelnde Geschichte gilt. Ich habe für diese Distanz  noch nie so lange gebraucht und nicht, weil Hans-Dietrich Genscher langsam gegangen wäre, sondern weil er Hans-Dietrich Genscher war und man keine fünf Meter gehen konnte, ohne dass Menschen ihn ansprachen und er sich –zumindest kurz – auch immer Zeit für diese Menschen nahm.

     

    Deutschland hat zwei große Außenminister verloren, die Freien Demokraten haben zwei große Politiker verloren, Europa hat zwei überzeugte Europäer verloren und wir alle haben zwei große Menschen verloren.

  • Menschen mit Bürgersteig

    Jeder Bürgersteig ist Nudging – neuartiges Teufelszeug oder alter Wein in neuen Schläuchen

    Angela Merkel will uns „nudgen“ … das heißt sie möchte uns ohne Gesetze psychologisch so beeinflussen, dass wir uns – aus ihrer Sicht besser – verhalten. Zumindest hat sie dafür einen kleinen Stab im Kanzleramt eingerichtet.

    Nur, was heißt das jetzt? Ist das neuartiges Teufelszeug, um die Bevölkerung zu entmündigen oder nur etwas, was Politik eh schon immer gemacht hat, nur unter neuem Namen?

    Im Rahmen des Forschungskolloquiums des cege Göttingen durfte ich vor kurzem einen Vortrag zu einem Papier von Prof. Schnellenbach hören, der jetzt in Cottbus lehrt und forscht und früher auch am Walter-Eucken-Institut in Freiburg tätig war. Sein Bezug war der, dass Soft Paternalism (also Nudging) sogar im Rahmen der konstitutionell-ökonomischen Theorien nach Buchanan in engen Grenzen zulässig sein kann.

    Im Vortrag ist mir deutlich geworden, dass das Konzept des Nudgings aber gerade etwas unklar ist, es gibt eben keine klare Grenzziehung, was noch gerade so ein Nudge und was schon ein gesetzlicher Eingriff für den Bürger ist. Beispiel?

    Für den Supermarkt-Betreiber ist es definitiv ein gesetzlicher Eingriff, wenn er die gesunden Produkte auf Augenhöhe des Kunden positionieren muss. Für den Endkunden ist es höchstens ein Nudge und spätestens wenn man sich anschaut, wie kleine (und größere) Kinder mit Süßigkeiten vom Supermarkt-Betreiber schon seit Jahren an der Kasse genudged werden, kann man die Frage stellen, ob es nicht nur die Reaktion auf früheres Nudging ist.

    Auf der anderen Seite gibt es auch das Beispiel in Großbritannien, bei dem Bürgerinnen und Bürger von der Regierung psychologisch wirklich hart genudged werden, um potentiell auch gegen ihren eigentlichen Willen Organspender zu werden. Eine aus meiner Sicht äußerst fragwürdige Praktik.

    Ein kleines und relativ unbestreitbar positives Beispiel für Nudging stammt ebenfalls aus Großbritannien, da dort aus kontinentaleuropäischer Perspektive auf der falschen Straßenseite gefahren wird, gibt es dort auf Straßen Bodenmarkierungen mit „Look right!“. Wenn man nicht gerade Bestatter für verunfallte Touristen ist, ist das ein wohl für jeden positiver Nudge. Wenn man will, kann man natürlich weiter ohne zu schauen die Straße überqueren, aber wenn man es nur aus Versehen getan hätte, wird man daran erinnert.

    Aber generell zeigt sich in den drei Beispielen das Kernproblem hinter Nudging (und eigentlich auch hinter jedem Staatseingriff): Weiß die Regierung wirklich besser, was die Bevölkerung „eigentlich“ will? Bei Gesundheit oder der Fahrtrichtung mag man so noch argumentieren können, aber bei Organspende halte ich das für höchst fraglich.

    Genau deshalb muss man sehr genau aufpassen, was durch Nudging geschieht. Ich hoffe, dass wir darüber auch im liberalen Umfeld noch weiter diskutieren.

    Aber eigentlich ist Nudging aus meiner Sicht nur alter Wein in neuen Schläuchen: Jeder Bürgersteig ist Nudging und den haben wir schon etwas länger: Es steht uns frei, auf der Straße zu laufen, aber irgendwie sinnvoller ist es schon, den Bürgersteig zu nutzen.

    Übrigens spannend zum Thema, eine Nudging-Seite aus den USA zum Selbst-Nudgen: http://www.stickk.com/

  • Symbolbild Überwachung

    Die Freiheit ist bedroht – der nie gedruckte Leserbrief zur Vorratsdatenspeicherung

    Leider akzeptiert die HNA keinen Leserbrief von mir, da ich politisch aktiv bin, hier deshalb meine Erwiderung auf den HNA-Kommentar von Herrn Kollhoff:

    Sehr geehrter Herr Kollhoff,

    als politisch Aktiver gebe ich mit Sicherheit einiges von meinem Leben auf Facebook preis. Aber viel weniger, als die Vorratsdatenspeicherung beim Staat für jeden Bürger hinterlegt: Ich finde nicht, dass der Staat wissen muss, wann CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer auf seinem Handy mit seiner Affäre telefoniert hat. Ich finde nicht, dass der Staat wissen muss, wann CDU-Politiker Wolfgang Bosbach den Anruf von seinem Arzt bekommen hat, dass er Krebs hat. Ich finde nicht, dass der Staat wissen muss, dass ich vorgestern mit einem Kreistagskollegen einer anderen Partei SMS geschrieben haben. Ich möchte selbst entscheiden, ob ich jemanden darüber informiere, wann ich klettern gehe oder einen Kaffee mit Ihrem Politikchef trinke. Über die Telefondaten meines Smartphones wäre all dies sonst feststellbar und ich könnte es nicht mehr selbst entscheiden. Diese Freiheit würde mir und jedem Bürger mit der von Ihnen unterstützten Vorratsdatenspeicherung genommen. Um es mit einem Zitat, dass ich auf Facebook und Twitter gesehen habe, zu sagen:

    „Der Staat weiß mit wem K., wann telefoniert hat. Der Zoll weiß, wann K. Mittagspause gemacht hat. Das Jobcenter weiß, wieviel K. besitzt. Die EU weiß, wohin K. fliegt. K. ist unfrei.“

    Anders ausgedrückt: Einem Vertreter der Union hat vor ein paar Jahren ein 14-Jähriger Schüler bei einer Podiumsdiskussion gesagt: „Wer nichts zu verbergen hat, führt ein furchtbar langweiliges Leben.“ Wenn Ihr Leben so ist, dass Sie alles öffentlich machen, oder das Leben von Heiko Maas, Thomas de Maizière, Sigmar Gabriel so langweilig ist, dass sie nichts zu verbergen haben – dann ist das vollkommen in Ordnung. Ich möchte die Freiheit behalten, auch ein weniger langweiliges Leben zu führen und nicht, dass der Staat Sie, mich, meine Nachbarn und Freunde alle als potentielle Schwerverbrecher ansieht und ständig überwacht. Genau das tut aber, die Vorratsdatenspeicherung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihr Lasse Becker

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